Mut, der Leben rettet, wird ausgezeichnet 

18 Bürger wurden mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet – Zwei Schulen wurden für besondere Projekte geehrt

Von Sara Loesenbeck (Redaktionsmitglied Heilbronner Stimmer) 
Heilbronn Während im Großen Ratssaal des Heilbronner Rathauses sonst politische Entscheidungen des Gemeinderats getroffen werden, sind am Mittwochabend 18 Menschen aus der Region im Mittelpunkt gestanden. Sie haben in Notsitua-tionen nicht weggeschaut, sondern setzten sich für ihre Mitbürger ein. Ebenso wie zwei Schulen wurden sie mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 6050 Euro vergeben.

„Alle, die heute ausgezeichnet werden, haben Bürgermut gezeigt“, lobte Oberbürgermeister Harry Mergel. Landrat Norbert Heuser sprach von Werten wie Verantwortungsbewusstsein und Empathie. „Es sind eindrückliche Beispiele, wie Menschen für Menschen agieren und einschreiten“, hob Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, hervor. Wie unterschiedlich Zivilcourage aussehen kann, zeigten die ausgezeichneten Fälle.

Bürger aus der Region helfen
Zwei Verkehrsteilnehmer retteten in Neckarsulm einem bewusstlosen Autofahrer durch eine sofortige Reanimation das Leben. „Das schnelle Eingreifen war  entscheidend“, sagte Polizeibeamter Daniel Quenzer. In Ellhofen bemerkte Michaela Rutkowsky auf der Gassi-Runde mit ihrem Hund einen Dachstuhlbrand. Sie warnte die Bewohner und weckte eine schlafende Mutter und ihren Sohn. Angelika Leyb aus Brackenheim wurde auf einen E-Scooter-Unfall aufmerksam, sicherte die Unfallstelle und organisierte Hilfe. Herausragend war auch der Fall von Frank Kompe aus Ittlingen. Als er die Hilferufe einer Frau hörte, die von ihren beiden Hunden angegriffen wurde, griff er sofort ein. Er zog die Tiere von ihr weg und wurde dabei selbst schwer verletzt. Die Angst sei bei ihm erst einen Tag später zu spüren gewesen. „Es ging im ersten Moment darum, der Frau zu helfen“, erklärte er. „Ich würde es wieder machen.“ Fikriye Ulug setzte sich ebenso mutig für eine 83-jährige Seniorin ein, die von einem aggressiven Mann bedroht wurde.

Mut bewiesen auch mehrere Bürger, die Straftäter stoppten. Polizeipräsident Frank Spitzmüller vom Polizeipräsidium Heilbronn betonte, wie wichtig die Unterstützung der Bevölkerung für die Sicherheit der Gesellschaft sei – und dass diese nicht immer nur in den Aufgabenbereich der Polizeibeamten falle. Anna Isabella Klein aus Kirchardt-Berwangen konnte durch ihr Eingreifen einen Betrugsversuch zum Nachteil eines 86-jährigen Seniorennachbarn verhindern. Peter und Simon Link sowie Artur Lungu und Tim Godel hielten nach einem Tankstellenüberfall einen flüchtenden Täter bis zum Eintreffen der Poli-
zei fest. Rita und Andreas Weinert verhinderten gemeinsam mit Martin Leiß die Flucht eines mutmaßlichen Autodiebs mit einem gestohlenen Wagen in Oberheinriet.

Dabei sei es jedoch wichtig, dass Helfer in den Situationen nicht sich selbst gefährden, wie Frank Spitzmüller betonte.

Zivilcourage kennt kein Alter
Dass Zivilcourage keine Frage des Alters ist, zeigten zwei Schülerinnen. Sarah Zanzah blieb bei einem verletzten Mann, bis Hilfe organisiert war. Dieser war zuvor auf glatter Straße gestürzt. Lea Gruber kümmerte sich um einen gestürzten Motorradfahrer, obwohl viele andere Verkehrsteilnehmer vorbeifuhren.

Neben den Einzelauszeichnungen wurden auch die Albert-Schweitzer-Schule Bad Rappenau und die Weibertreuschule Weinsberg für ihre Projekte zur Förderung von Zivilcourage geehrt. „Zivilcourage ist nicht nur ein Wert, sondern muss gelebt werden“, sagte Schulleiter der Albert-Schweitzer-Schule, Stefan Appel. „Wir sehen das jeden Tag auf dem Pausenhof, wenn ein Kind hinfällt, kommen direkt andere Kinder zur Hilfe, bringen Kühlpacks.“ Die AG „Digitale Helden“ der Weibertreuschule bezeichnete die Jury als eines der bislang besten eingereichten Projekte. In der AG beschäftigen sich die Schüler mit ver-
schiedenen Projekten zum Thema Zivilcourage. Darunter unter anderem ein interaktives Theaterstück.

Untermalt wurde der Abend mit dem Klarinettenquartett des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg. Die Urkunden wurden abwechselnd von Chefredakteur Uwe Ralf Heer und Verleger Tilmann Distelbarth von der Heilbronner Stimme, Oberbürgermeister Harry Mergel, Landrat Norbert Heuser, Vertretern der Polizei Heilbronn sowie Vertretern der Heilbronner Bürgerstiftungüberreicht.

„Ich würde es wieder machen.“
Frank Kompe

31. Juli 2026